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Johannes Gutenberg
Johannes Gensfleisch zur Laden zum Gutenberg, Geburtsname Johannes,
Rufname Henne, ( um 1400 in Mainz; † 3. Februar 1468 in Mainz) war der
Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Letter.
Um 1400
Johannes Gensfleisch wird in Mainz im Hof zum Gutenberg geboren und
wohl am 24. Juni (Johannistag) in der Pfarrkirche St. Christoph getauft.
Um 1419
Gutenbergs Vater, Friele Gensfleisch, stirbt in Mainz. Im folgenden
Jahr müssen sich Gutenberg und seine Geschwister mit ihrer
Stiefschwester Patze wegen des Erbteils des gemeinsamen Vaters vor
Gericht auseinandersetzen.
1419/20
Die Erfurter Universitätsmatrikel verzeichnet für das Wintersemester
1419/20 einen Johannes de Altavilla, bei dem es sich um Johannes
Gutenberg handeln könnte, ohne daß dies mit letzter Sicherheit zu
klären ist.
Um 1428
In Mainz kommt es u.a. wegen der desolaten finanziellen Lage der Stadt
wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den politisch regierenden
Familien, die jeweils von den Patriziern der Stadt oder aber den
Handwerkerzünften unterstützt werden. Aus Protest gegen die
Steuerforderungen des überwiegend aus Vertretern der Zünfte bestehenden
Rates verlassen zahlreiche Mitglieder der traditionellen
Führungsschicht, d.h. der patrizischen Familien, die Stadt, darunter
auch Gutenberg und die Familie Gensfleisch.
1429-1434
Der genaue Aufenthalt Gutenbergs für diese Jahre ist ungewiß.
1433
Gutenbergs Mutter, Else Wirich, stirbt in Mainz; ihr Nachlaß wird unter
die drei Kinder Friele, Else und Henne (Johannes) Gensfleisch
aufgeteilt.
1434
Erste urkundliche Erwähnung für Gutenbergs langjährigen Aufenthalt in
Straßburg (1434-1444). In dem Dokument erfahren wir, daß Gutenberg den
Mainzer Stadtschreiber Nikolaus von Wörrstadt zu Straßburg in
Schuldhaft setzen ließ, um 310 Gulden rückständiger Rentenzahlungen von
dem Rat der Stadt Mainz zu erzwingen.
1436/37
Gutenberg wird von der Straßburger Bürgerstochter Ennelin von der Isern
Türe wegen eines nichteingehaltenen Eheversprechens vor dem geistlichen
Gericht in Straßburg angeklagt. Ob Gutenberg Ennelin daraufhin
geheiratet hat, ist ebenso wie der Ausgang des Gerichtsverfahrens nicht
überliefert. Im Verlauf des Prozesses bezeichnet Gutenberg Niklaus
Schott, einen Zeugen der Ennelin, als armen, notdürftigen Menschen, der
ein armes notdürftiges Leben mit Lügen und Trügen führt. Gutenberg wird
darauf von Niklaus Schott wegen Beleidigung verklagt und zu einer
Zahlung von 15 Gulden verurteilt.
1436-1444
In den Einträgen des Straßburger Helbeling-Zollbuches, eines
Weinungeld- bzw. -steuerregisters, erscheint Gutenberg zunächst unter
den Halbkonstofelern, d.h.den nicht ganz vollwertigen Mitgliedern der
patrizischen Vereinigung der Konstofeler, daneben aber auch als
Halbmitglied der Goldschmiedezunft sowie in der Liste derjenigen, die
gar keiner Zunft angehören. In einer Aufgebotsliste der Stadt für den
Kriegsfall ist Gutenberg dagegen für das Jahr 1443/44 in der Gruppe der
Patrizier bzw. der Konstofeler mit einem halben Pferd als zu leistendem
Verteidigungsbeitrag verzeichnet. Sein sozialer Status während der
Straßburger Zeit bleibt somit unklar, entsprach aber wohl dem eines
sog. Freimeisters.
1439
Gutenberg muß sich 1439 in einem Prozeß vor dem Straßburger Rat
verantworten. Die Protokolle des Verfahrens, darunter umfangreiche
Zeugenaussagen, sind die maßgeblichen Quellen zu Gutenbergs
geschäftlichen, künstlerischen und handwerklichen Aktivitäten in
Straßburg. Sie berichten über eine Lehr- und Werkgemeinschaft
Gutenbergs mit verschiedenen Straßburger Bürgern, u.a. Andreas
Dritzehn, zur Herstellung von sog. Wallfahrtsspiegeln für die große
Aachener Wallfahrt, erwähnen aber auch eine zweite
Geschäftsgesellschaft sowie eine geheime Kunst Gutenbergs, welche die
Teilhaber streng zu wahren hatten. Da im Zusammenhang mit diesem
Geschäftsgeheimnis auch von einer Presse sowie von Material, das zu dem
trucken gehöret, gesprochen wird, darf man aller Wahrscheinlichkeit
nach annehmen, daß Gutenberg schon in Straßburg verschiedene Elemente
seiner Erfindung in die Praxis umgesetzt und bereits erste
Druckversuche durchgeführt hat.
1441/1442
Im Zusammenhang mit einem Darlehen über 100 Pfund Straßburger Denare,
welche der Edelknecht Johann Karle von dem Straßburger St. Thomas-Stift
geliehen hat, tritt Gutenberg als wohlhabender Bürge auf. Nur ein Jahr
später nimmt Gutenberg selbst ein Darlehen über 80 Pfund derselben
Währung von dem St. Thomas-Stift auf, das er aber bis zu seinem
Lebensende nicht zurückzahlen kann und aus diesem Grunde mehrfach
gerichtlich belangt wird, u.a. auch von dem kaiserlichen Hofgericht in
Rottweil.
1444 - 1448
Für diesen Zeitraum sind über Gutenbergs Aufenthalt und seine Aktivitäten keine Nachrichten erhalten.
1448
Gutenberg ist wieder nach Mainz zurückgekehrt und nimmt auf Vermittlung
seines Verwandten Arnold Gelthuß 150 Gulden Darlehen zu 5% Zinsen auf,
die er wahrscheinlich zur weiteren Vervollkommnung seiner Erfindung
einsetzt.
Vor 1450
Gutenberg druckt ein Gedicht vom Weltgericht in deutscher Sprache nach
einem um 1360 in Thüringen verfaßten Sibyllenbuch. Der wohl früheste
Gutenberg zugeschriebene Druck ist nur in einem kleinen Fragment
erhalten, dessen Druckort und Erscheinungsjahr bislang nicht eindeutig
geklärt werden konnten.
1450-1452
Der Mainzer Advokat Johannes Fust leiht Gutenberg zunächst eine Summe
von 800 Gulden für Gutenbergs kostspieliges Projekt, das neben dem
Aufbau einer Druckerwerkstatt auch für die Einstellung lohnabhängiger
Gehilfen beträchtliche Geldsummen erfordert. Wohl bereits im Jahre 1452
beteiligt sich Fust mit einer weiteren Zahlung von 800 Gulden als
Teilhaber an dem gemeinschaftlichen Unternehmen, oder, wie es in den
Quellen heißt, dem Werk der Bücher.
zw. 1452-1454
Druck der 42-zeiligen Bibel in lateinischer Sprache in einer
geschätzten Auflage von ca. 180 Stück, davon ca. 30 auf Pergament.
Erste Exemplare werden in Form von ungebunden gedruckten Faszikeln
bereits im Herbst 1454 während des Frankfurter Reichsstages von einem
"wundersamen Mann" (vir mirabilis) zum Verkauf angeboten, bei dem es
sich womöglich um Gutenberg selbst gehandelt hat.
1454/55
In der Werkstatt Gutenbergs werden die 30- bzw. 31-zeiligen sog.
"zyprischen Ablaßbriefe" gedruckt, deren Erlöß Papst Calixt III. zur
Finanzierung eines Kreuzzuges gegen die Türken auf Zypern verwenden
möchte.
1455
Über den von Fust gegen Gutenberg wegen der ausbleibenden Zins- und
Geldrückzahlungen angestrengten Prozeß informiert uns ein nach dem
Notar Ulrich Helmasperger benanntes Dokument, das sog. Helmaspergersche
Notariatsinstrument vom 6.11.1455. Wenngleich nur ein vereinzeltes
Aktenstück aus dem gesamten Prozeß, stellt es unsere wichtigste Quelle
über Gutenbergs geschäftlichen Verbindungen zu Fust und den Druck der
42-zeiligen Bibel dar.
In dem Prozeß, dessen Ausgang nicht eindeutig überliefert ist, verliert
Gutenberg wahrscheinlich den gesamten Bibeldruck sowie große Teile
seiner Druckerwerkstatt.
1457
In der Druckerwerkstatt Fust-Schöffer wird der Mainzer Psalter als
erstes Beispiel eines Dreifarbendrucks vollendet. Eine zweite, textlich
allerdings stark veränderte Ausgabe erscheint im Jahre 1459.
1462
Im Zuge des Streits zwischen den beiden konkurrierenden Mainzer
Erzbischöfen erobert der vom Papst favorisierte Kandidat Adolf von
Nassau in der Nacht zum 29. Oktober im Straßenkampf die Stadt, die
darauf geplündert und zum Teil zerstört wird. Zahlreiche Familien
werden für längere Zeit aus Mainz verbannt, ihre Höfe an die
Parteigänger Adolfs von Nassau vergeben. Auch der Hof zum Gutenberg
wechselte in diesen Jahren den Besitzer, was vermuten läßt, daß
Johannes Gutenberg ebenfalls zu den Verlierern und Geschädigten der
Mainzer Stiftsfehde zählte. So sind auch verschiedene Verwandte
Gutenbergs in diesen Jahren in dem nahegelegen Frankfurt im Exil
nachgewiesen.
1465
Der Mainzer Erzbischof Adolf von Nassau nimmt Johannes Gutenberg zu
seinem Hofmann an und gewährt ihm bis an sein Lebensende neben
großzügigen Wein- , Getreide-und Kleiderspenden die Freiheit von den
Steuern und Diensten, welche die Bürger der Stadt dem Kurfürsten
üblicherweise zu leisten haben. Die Hintergründe dieser Auszeichnung
konnten bislang nicht geklärt werden.
1468
Am 3. Februar 1468 stirbt Johannes Gutenberg im Hof zum Algesheimer und
wird in der Franziskanerkirche zu Mainz (niedergelegt 1742) bestattet.
Noch in demselben Monat erhält der frühere Stadtsyndikus Dr. Konrad
Humery verschiedene Druckgeräte, welche Gutenberg von Humery zuvor
geliehen hatte, mit der ausdrücklichen Auflage, diese nur innerhalb der
Stadt Mainz zu verwenden.
1499
Ein erster Nachruf auf Johannes Gutenberg, verfaßt von Adam Gelthuß mit
dem Hinweis, daß Gutenberg in der Mainzer Franziskaner-Kirche bestattet
sei, erscheint in dem bei Peter Friedberg in Mainz gedruckten Buch Ad
illustrissimum Bavariae ducem Philippum.
1504
Der Mainzer Universitätsprofessor Ivo Wittig läßt im Hof zum Gutenberg
einen Gedenkstein errichten mit der lateinischen Inschrift: "Dem
Mainzer Johannes Gutenberg, der als erster von allen die
Buchdruckerkunst erfand und sich mit dieser Kunst um die ganze Welt
verdient gemacht hat."
1565/1568
Das erste fiktive Gutenberg-Bildnis erscheint als Holzschnitt in der
lateinischen Erstausgabe von Heinrich Pantaleons Lebensbeschreibung
berühmter Deutscher in Basel. In der nur drei Jahre später
herausgegebenen Ausgabe in deutscher Sprache findet sich bereits ein
zweites Portrait des Erfinders, das gleichfalls auf keiner
authentischen oder zeitgenössichen Vorlage beruht. Über Gutenbergs
tatsächliches Aussehen liegen keine gesicherten Nachrichten vor.
1741
In Leipzig erscheint die programmatische Schrift "Ehrenrettung Gutenbergs" von J. D. Köhler.
1798
Eine Versammlung europäischer Astronome in Gotha beschließt, die
zwischen den Sternbildern Schiff, Einhorn sowie großer Hund gelegene
Sternenkonstellation als Sternbild "Gutenberg" der Himmelskarte
einzuverleiben. Dieser Beschluß wurde von J.E.Bode umgesetzt. Es gab
mindestens zwei Editionen seiner weitverbreiteten Himmelskarten. Auf
beiden sind die Drucker-Werkstatt bzw. die Officina Typographica /
Atelier Typographique eingezeichnet. Um 1825 dienten diese Karten als
Vorlage für ein interessantes Lehrmittel zum Selbststudium des
Sternenhimmels, den "Urania's Mirror". Diese Kartensammlung wurde 1993
neu aufgelegt in C. Tennants "The box of Stars", inklusive des
Sternbilds "Atelier Typographique.
1827
Errichtung des ersten figürlichen, von dem Bildhauer Joseph Scholl
geschaffenen Gutenberg-Denkmals im Hof zum Gutenberg in Mainz (heute im
Verwaltungsbau des Gutenberg-Museums aufgestellt).
1835
benannten die Astronomen Beer/ Maedler in ihrer Mappa Selenographica
einen Mondkrater "Guttemberg", den die international Astronomical Union
(IAU) 1935 als Gutenberg anerkannte.
1837
Einweihung des Gutenberg-Denkmals von dem klassizistischen Bildhauer
Bertel Thorvaldsen, das für zahlreiche weitere Gutenberg-Denkmäler zum
Vorbild genommen wurde.
1900
Gründung des Gutenberg-Museums anläßlich der Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag Johannes Gutenbergs.
1962
Das Gutenberg-Museum erhält den Titel: Weltmuseum der Druckkunst.
1968
Des 500. Todestages Johannes Gutenbergs wird in aller Welt feierlich gedacht.
1992
Die digitale Drucktechnick ist geboren und auf bestem Wege die Schrift-und Bildmedien zu erobern.
Andreas Venzke: Johannes Gutenberg - Der Erfinder des Buchdrucks und seine Zeit. 3. Auflage. Piper-Verlag, München 2000.
ISBN 3-492-22921-2
Stadt Mainz (Hrsg.): Gutenberg - Aventur und Kunst : vom Geheimunternehmen zur ersten Medienrevolution. Mainz 2000.
ISBN 3-87439-507-3
Interessante weblinks zu diesem Thema sind:
www.gutenberg.de/
www.gutenberg-bibliothek.de/