Dresdner Frauenkirche   


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Die Frauenkirche zu Dresden

Die Frauenkirche zu Dresden

Die steinerne Kuppel der Frauenkirche lag noch Anfang August 2003 hinter stählernen Gerüsten verborgen. Mitte August schwebten die ersten Rohrbündel herab. Tag um Tag kam die Hauptkuppel mehr zum Vorschein, die hohen schmalen Fenster, die Turmspitzen der Ecktürme, die kleinen ovalen Fenster. Gleichzeitig wuchs das stählerne Gerüst über dem Kuppelpostament für den Bau der Laterne.

Ende der ersten Septemberwoche war es so weit: George Bährs Hauptkuppel der Dresdner Frauenkirche, die Kunsthistoriker als „Steinerne Glocke“ rühmen, erhob sich unverstellt honiggelb über der Stadt. 58 Jahre mussten nach ihrem Einsturz im Februar 1945 vergehen, ehe das „Glockenwunder“ wieder in den Stadtraum wirkt. 62 Meter Kirchenhöhe hat sie erreicht, 23 Meter hoch ist die Kuppel, 3 355 Steine spannen die Hauptkuppel. 3 355 Steine bedeuten 3 355 Mal einfühlsames Versetzen und Einpassen der Sandsteinquader.

Die Vollendung der Kuppel ist eine Meisterleistung. Sie stehe der jener Steinmetze aus der Barockzeit in nichts nach, ist sich das Aufbauteam einig. Mehr noch: Die Fassade ist so perfekt ausgeführt, dass ihr jene Unebenheiten fehlen, die Bährs Steinmetze an der Kuppel, ja am Gesamtbau hinterlassen haben. Alle bedauern dies, aber alle haben dazu beigetragen. Das liegt in der Sache begründet. Die Fugenhöhe ist vorgeschrieben und lässt nur eine geringe Millimeterabweichung zu. „Trotz aller Anpassung der Steine“, sagt Tobias Lochmann, der immer zu einem Spaß bereit ist, „die Steinsäge kennt keine schlechte Laune oder einen Streit früh mit der Frau vor der Arbeit.“ Einige tausend Steine sind durch seine Hände gegangen. Er weiß, wie frischer Sandstein duftet. Wie das Ingenieur- und Architektenteam von Ipro und Jäger/Wenzel, so hat die Walter Bau AG ihre erfahrensten Versetzer und Maurer an den Kirchbau gestellt. Und Volker Stoll aus dem Hause Jäger, eher zurückhaltend, gerät ins Schwärmen: „Es ist ein wunderbares Gefühl, auf der Rampe zwischen den beiden Kuppelschalen in die Höhe zu steigen. Steffen Rauh, der die letzten Steine in der Kuppel versetzt hat: „War eine anstrengende Wegstrecke und eine verdammt schöne Arbeit.“ Er war an der Semperoper dabei, am Residenzschloss der Wettiner. Seit 1996 baut er an der Frauenkirche. Am 12. Februar 1990 ging der „Ruf aus Dresden“ in die Welt. Eine Bürgerbewegung wandte sich an die Öffentlichkeit und an die Staatsoberhäupter der Siegermächte, die Dresdner Frauenkirche als Zeichen der Versöhnung wieder aufzubauen. Der Zeitpunkt war gut gewählt. Überall in Deutschland schäumten Euphorie und Einheitstaumel.




Ruine der Frauenkirche um 1950

Der Wiederaufbau der Frauenkirche war anfangs heftig umstritten. Vom Ruinenberg ging eine leise Botschaft aus: Nie wieder Krieg, nie wieder Tod und Zerstörung! In der 40-jährigen Staatsgeschichte der DDR war die Ruine zum Symbol für Freiheit und Frieden geworden. In der Wendezeit trafen sich hier die Dresdner zu ihren Protestzügen durch die Stadt. Viele wollten, dass die Ruine so bleibt, wie sie war. Andere wünschten nach der offiziellen Steinversetzung 1994 einen anderen Wiederaufbau, nicht den strengen Nachbau des Gotteshauses. Selbst in der evangelischen Landeskirche gab es Stimmen gegen den Wiederaufbau.

Das Aufbauteam überstand alle Stürme und Angriffe. Am 13. Mai 2002 verlegten die Maurer in 40 Meter Höhe in der 16. Schicht über dem Kuppelanlauf die ersten Steine. 23 Meter Höhe hatten sie vor sich. Seit Bährs Zeit war eine so große Kuppel nicht wieder in Dresden ausgeführt, niemals eine solche Menge an Sandsteinen versetzt worden. Jeden Monat musste die Kuppel 1,21 Meter wachsen. Dafür hatten sie 13 Monate Zeit.

Im Frühjahr 2004 war auch letztendlich die Laterne gesetzt, die mit dem Turmkreuz noch im Juni gekrönt wurde. Damit ist der Sandsteinbau fertig gestellt. Seit Sommer 2005 steht der große Reformer Martin Luther wieder vor seinem protestantischen Gotteshaus so, als wäre während 60 Jahren nichts geschehen!

Artikel geschrieben von Reinhard Delau mit "updates" von Ulrich Krentz



Book; Memento Frauenkirche, incl. CD-ROM (German) von Dieter Krull, Dieter Zumpe

Hard Copy/Gebundene Ausgabe - 223 pages/Seiten - Verlag Bauwesen



www.wiederaufbau-frauenkirche.de

www.frauenkirche-dresden.org